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  Zwölf Jahre Erfahrung mit Risperdal
 
Zwölf Jahre Erfahrung mit Risperdal
Von Dietmar Zöller
Ich blicke auf 12 Jahre Erfahrung mit Risperdal zurück und bekam zuletzt 8 mg am Tag, 4 mg morgens und 4 mg abends.
Das Medikament hat im Jahr 2000 nicht schnell zum Erfolg geführt, aber spätestens nach einem Jahr war ich sicher, dass mir das Medikament half, mich besser zusammenhalten zu können. Ich erlebte mich wieder als ganzen Menschen.
2007 spürte ich zum ersten Mal wieder so etwas wie eine Auflösung meiner selbst und damit verbunden die mir von früher bekannte Angst, ich könne mich auflösen. Ich bekam mehr Risperdal. Bedenken, ich könne zu hoch dosiert werden, wurden wegdiskutiert, da ja Carbamazepin, das ich wegen Epilepsie nehmen muss, den Spiegel herabsetze. Es ging auch kurzzeitig besser. Die 2007 beginnenden Hautausschläge wurden vom Hautarzt als Neurodermitis diagnostiziert. Angeblich gab es keinen Zusammenhang mit dem Neuroleptikum. Ich habe auch erst an einen Zusammenhang gedacht, als die Sache ausgestanden war. Zwei einwöchige Aufenthalte an der Nordsee konnten eigentlich eine Neurodermitis nicht geheilt haben.
Anfang 2008 traten die alten Probleme in einer großen Heftigkeit wieder auf, so dass ich mich voller Verzweiflung fragte, was werden solle, wenn Risperdal keine Wirkung mehr zeige. Ich stimmte einer Erhöhung der Dosis auf 8 mg täglich zu, weil ich es nicht mehr aushielt, so auffällig geworden zu sein.
Es ging mir bis zum Ende 2011 mit der hohen Medikation (8 mg Risperdal täglich) recht gut. Gruppenreisen nach Indien und Nepal, nach Vietnam und Kambodscha und im Dezember 2011 nach Äthiopien bewältigte ich ohne Probleme. Ich hatte das Gefühl, medikamentös gut eingestellt zu sein.
Doch dann kam mit dem Jahreswechsel 2011/ 2012 die große Unruhe. Ich konnte nicht sitzen, nicht stehen, lief unrastig im Haus herum, auch nachts. Beine und Arme verselbständigten sich immer öfter. Ich spürte sie nicht und machte dann Bewegungen, die ich gar nicht machen wollte. Meine Eltern habe ich mit meinem Klopfen und Stampfen zur Verzweiflung gebracht. Der Arzt vermutete Nebenwirkungen des Neuroleptikums Risperdal und verordnete 4 mg. Akineton. Dieses Medikament hatte er schon vor einem Jahr ins Spiel gebracht. Damals konnten meine Eltern anhand von Fotos nachweisen, dass zeitweise extrapyramidale Störungen auftraten. Mein Gesicht wirkte maskenhaft, der Unterkiefer war vorgeschoben.
Ich begann nun vermehrt über mögliche Nebenwirkungen von Risperdal nachzudenken. Waren wir zu euphorisch gewesen und hatten Nebenwirkungen übersehen? In Tagebuchaufzeichnungen nach August 2000 finden sich einige Hinweise, z.B. die Beobachtung, dass ich nicht mehr stehen kann, immer herumlaufen muss. Dass das nicht immer so gewesen war, hatten weder meine Eltern noch ich realisiert. Wir hatten uns damit abgefunden. Auch dass es im Urlaub in der Mongolei (2004) und im Iran (2005) zu Harnverhaltungen kam, schien nichts mit dem Neuroleptikum zu tun zu haben. Anfang 2012 erlebte ich dann vermehrt unwillkürliche Harnabgänge. Ich wusste nicht, wie mir geschah. Auch das Schreien aus tiefsten Tiefen kann man wohl unter Nebenwirkungen abbuchen.
Ich bin überzeugt, dass es die Nebenwirkungen von Risperdal sind, die auch die Schreibprobleme verursacht haben. Ich kann den Füllhalter kaum noch festhalten. Er entgleitet mir, wenn ich nicht gestützt werde.
Ich bin sicher, dass die Nebenwirkungen schleichend begonnen haben. Das mit dem Nichtstehenkönnen hat vor langer Zeit begonnen, dann kam die Unruhe beim Sitzen dazu. Ich sehe rückblickend viele Nebenwirkungen. Manchmal denke ich, dass man Risperdal nicht hätte bis auf 8 mg hochfahren dürfe
Am 28.5.2012 schrieb ich: „Ich bin froh, dass ich nur noch 1mg Risperdal zu mir nehme und es verkrafte. Aber traurig bin ich schon, dass es so ausgeht. Risperdal hat mich viele Jahre zusammen gehalten, so dass ich nicht zwanghaft agieren musste.“
Ich möchte wissen, ob  Langzeitbeobachtungen über die Wirkung von Risperdal vorliegen. Meine Mutter wird aus meinen Tagebüchern seit 2000 alle Bemerkungen über die Wirkung von Risperdal herausfiltern. Auf diese Weise wird deutlich, wie das Medikament gewirkt hat und ab wann Zweifel wegen möglicher Nebenwirkungen aufkamen.
Die Zitate von 2000-2008 wurden aus meinem Buch entnommen:
(2009) Zöller, Dietmar,Ich wollte, dass wir uns verstehen. Briefe, Tagebücher, Berichte über Reisen (1993-2008)
7. 10.2000
(…)Meine Behinderung ist viel zu vielschichtig, als dass man Hoffnung haben könnte. Ich akzeptiere aber meine Behinderung, seit es mit Risperdal besser geht. Es macht einen großen Unterschied, ob man ruhig bleiben kann oder nicht. Ich kann mich auch wieder besser auf etwas konzentrieren. Wenn es so bleibt, halte ich es aus. Wie schrecklich war es doch vorher oft. Ich mag gar nicht mehr daran denken. Ich bin durch die Hölle gegangen. Wirklich. Ich habe oft wirklich sterben wollen.
14. 2. 01
Wenn der Frühling kommt, dann habe ich mehr Probleme mit dem Körpergefühl. Ich kann mich aber besser beherrschen als im vergangenen Jahr. Es ist ja eigentlich schön, wenn die Blumen kommen und die Vögel singen, aber meinen Nerven bekommt das nicht. Ich fühle mich so weich und spüre ganz wenig, wenn ich an einen Gegenstand stoße. Aber mein Geist bleibt lebendig und leidet keinen Schaden.
15. 2. 01
Mit diesem Tag kann ich nichts anfangen, es wird Frühling und das bedeutet, dass mein altes Problem wieder da ist. Wie Luft ist mein Körper, nichts kann ich anfassen ohne dass mir bewusst wird: Da ist nichts. So schlimm war es lange nicht.
16. 2. 01
Ich möchte mal wieder eine Bandage haben um meine Hand zu festigen. Vielleicht hilft das etwas. Wenn doch meine Hände besser festhalten könnten. Das ist mein Problem.
9.6.01
Ich spüre den Stift zu wenig. Wie soll ich einen Stift halten können, wenn mal wieder alles ohne Gefühl ist.
17. 6, 01
Wenn mein Geist einzurosten droht, dann muss ich mir im Geist Texte formulieren und das klappt unwahrscheinlich gut. Das verlerne ich auch nicht, denn alle Verbindungen, die ich dafür brauche, sind intakt und bleiben offensichtlich intakt. Es sind andere Verbindungen, die aushaken bzw. nie da gewesen sind. Es geht so wenig gleichzeitig. Ich muss darum zuerst denken und wenn ich damit fertig bin, dann kann ich es aufschreiben.
22. 6. 01
So ein Tag wie heute greift meine Nerven an und ich kann nur noch im Keller liegen und warten, dass es vorübergeht. Wenn ich nur wüsste, was das Wetter mit mir macht? An vielen Tagen geht es mir doch ordentlich. Darum will ich auch nicht klagen.
Ohne Datum
Ich merke, dass es wieder schlechter geht. Ob es der Herbst ist oder ob Risperdal nicht mehr wirkt, weiß ich nicht. Aber ich bin ruhelos.
28. 10. 02
Was ich in meinem Buch „Autismus und Körpersprache“ beschrieben habe, war schreckliche Gegenwart. Heute geht es mir aber wesentlich besser. Seit 2 ½ Jahren bekomme ich das Medikament Risperdal, seit etwa 1 ½ Jahren gibt es keine Ausbrüche mehr und kein zwanghaftes Verhalten. Ich habe viel Freiheit wieder gewonnen und fühle mich meist wohl. So kann ich mein Leben aushalten, und meine Eltern können es mit mir aushalten.
7. 11.02
Ich weiß nicht, warum ich so oft erbrechen muss.
 
 Dezember 2002 (aus dem Weihnachtsrundbrief):
Es geht mir nach wie vor recht ordentlich. Das Medikament, das ich nun seit mehr als zwei Jahren nehme, hat mein Leben in wunderbarer Weise verändert. Ich kann wieder ruhig und relativ unauffällig mein zurückgezogenes Leben leben, ohne meinen Mitmenschen eine Last zu sein.
16.2.03
Als wir zum Abendmahl wollten, musste ich zu lange auf einem Platz stehen. Das geht aber nicht. Ich muss mich bewegen, sonst verliere ich das Gleichgewicht. Nie wieder mache ich so etwas mit.
4. 3. 03
Ich habe mal wieder erbrochen ohne mich krank zu fühlen. Ich gehe davon aus, dass das etwas Zentrales ist. Vielleicht war ich wirklich kurz weggetreten. Es ist mir peinlich. Ich kann es nicht steuern. Mein Gehirn arbeitet doch nicht richtig. Was soll man dazu sagen? Es ist doch ein Glück, dass es mir nicht schlechter geht.
29. 2. 04
Ich möchte wissen, was mit meinem Gehirn mal wieder los ist. Es kommt mir so vor, als würde Risperdal nicht mehr wirken wie früher. Ich möchte nicht wieder so werden wie früher. Ich möchte nicht wieder so werden, wie ich schon einmal war, denn das war der Horror schlechthin. Ich fühle mich so abgeschlagen und alles juckt, als krabbelten Ameisen in mir herum. Ich habe solche Angst vor einem Rückfall und möchte das meiner Mama nicht antun. Sie soll doch im Ruhestand nicht nur Mühe mit mir haben.
30. 4. 04
Ich hörte euer Gespräch über Medikamente und wundere mich, warum die Leute noch zögern Risperdal zu geben. Ich habe keine Nebenwirkungen und fühle mich gut. Ich bin doch ein ganz anderer Mensch geworden, kann mich zusammen nehmen und bin zufrieden und ausgeglichen. Ich werde das nie wieder absetzen. Ich staune, warum die Leute so zögerlich sind und auch nicht lange genug warten, bis das Medikament seine volle Wirkung entfaltet. Ich werde noch einmal Prof. Dose schreiben, denn man sollte die Hilfe niemandem vorenthalten.
2.5. 04
/…) Mein Gehirn krankt daran, dass manchmal Verbindungen nicht funktionieren. Ich will etwas tun, was sinnlos ist, aber ich kann es nicht rechtzeitig stoppen, obwohl ich erkennen kann, dass es sinnlos ist. Das kann aber nur passieren, wenn die entsprechende Verbindung blockiert ist. So habe ich mir das erklärt. Mit Risperdal ist die Leitung wohl durchlässiger und es gelingt „Stopp“ zu sagen. Aber manchmal ist es noch so, dass ich etwas Unsinniges tue, z. B. lautiere. Dann kann ich nicht damit aufhören. Wenn Mama mich anschreit, geht es aber doch und ich höre auf. Ich will gar nicht so blöde Laute bilden. Warum muss ich das tun? Ich will das auch noch wegbekommen. Mich ärgert das. Ich will nicht so blöd wirken. Ich kann aber gar nicht anders. Ich könnte das auch mal Prof. Dose. beschreiben. Vielleicht könnte ich noch etwas mehr Risperdal nehmen und wäre dann das Lautieren los. Ich denke darüber nach, wie ich das alles noch optimieren könnte.
Mai 2004
Über die Wirkung von Risperdal
Seit August 2000 bekomme ich Risperdal. (2x 2mg)
Im August 2001 (ein Jahr nach der ersten Risperdalgabe) verbrachten meine Familie und ich zwei Wochen in Island. Wir fuhren mit einem Schiff von Bergen (Norwegen) aus hin. Weder auf dem Schiff noch in Island reagierte ich auf das Wetter. Das war eine große Überraschung, zumal ich zwei Jahre zuvor einen Urlaub in Norwegen und Schweden schlecht verkraftet hatte. Nach der Islandreise ist es nicht mehr vorgekommen, dass ich bei Nebel, Schnee, Sturm oder Gewitter unruhig wurde.
Als ich Risperdal noch nicht hatte, passierte es von einer Minute zur anderen, dass ich mich nicht mehr als Ganzes spüren konnte. Ich wurde dann unruhig, machte unkontrollierte Bewegungen und lautierte. Wer mir zu nahe kam, musste damit rechnen abgewiesen zu werden. Manchmal trat ich auch mit den Füßen, und zwar dann, wenn ich auf dem Bett lag und jemand direkt auf mich zukam. Es half mir, wenn meine Mutter meine Gelenke beklopfte. Das wäre mir jetzt, seit ich Risperdal bekomme, unangenehm. Eine Zeitlang hat meine Mutter mir auf die Fußsohle geschlagen. Das gab einen Reiz im ganzen Körper, der mir wohl tat. Heute würde ich das nicht mehr ertragen. Als ich alte Texte wiederlas, in denen ich meine Wetterfühligkeit bildhaft beschrieb und Windungeheuer erfand, um meine Probleme bei atmosphärischen Veränderungen zu beschreiben, wurde mir klar, dass all die beschriebenen Erfahrungen der Vergangenheit angehören. Das heißt nicht, dass meine Wahrnehmungs-verarbeitungsstörungen geheilt seien. Ich kann aber damit nun wieder so umgehen, wie ich es schon einmal gelernt hatte. Neu ist seit einem Jahr, dass ich keine Ausbrüche mehr habe. Ich falle nicht mehr auseinander. Im ersten Jahr der Behandlung mit Risperdal gab es die Zustände in gemilderter Form noch ab und zu. Seit August 2001 ist nichts dergleichen mehr vorgekommen. Man kann das auch daran erkennen, dass ich kein Diazepam mehr gebraucht habe. Die Behandlung mit Risperdal  hat auch dazu geführt, dass zwanghaftes Verhalten nicht mehr vorkommt. Es waren für mich ganz schlimme Erlebnisse, als ich registrieren konnte, dass ich etwas tat, was ich gar nicht tun wollte. Ich konnte es nicht stoppen. Zum Beispiel brachte ich eine Zeitlang eine Lampe, die über dem Esstisch angebracht war, bei jeder Mahlzeit zum Schwingen. Ich konnte es nicht lassen, bis die Lampe eines Tages an meinen Kopf schlug, so dass ich mit einer stark blutenden Wunde ins Krankenhaus gebracht werden musste. Die Lampe wurde abgehängt, und damit hatte der Zwang ein Ende. Ein anderer Zwang - oder war es ein Tick? - bestand darin, dass ich die Jalousie hinter meinem Bett rauf- und runterzog, und das pausenlos. Ich habe mich dabei ganz unfrei gefühlt, hätte gern damit aufgehört, konnte es aber nicht. Nichts dergleichen kommt mehr vor.
Nun muss ich auch noch etwas über mein Verhalten sagen. Dass ich als Behinderter zu erkennen bin, steht außer Frage. Schon die Tatsache, dass ich einen Menschen bei der ersten Begegnung oder wenn ich ihn lange nicht gesehen habe, nicht anschauen kann, fällt sofort auf. Wenn ich darum feststelle, dass sich mein Verhalten wieder normalisiert hat, dann meine ich damit ein für mich normales Verhalten in meinen Grenzen. Mein Verhalten ist nahezu gleich bleibend. Ich wirke ausgeglichen und ruhig, bin belastbar. Meine Eltern können mich überallhin mitnehmen. Wir gehen essen, fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln und sind kürzlich zum ersten Mal wieder im Kino gewesen.
Was Risperdal für Nebenwirkungen hat, weiß ich nicht sicher. Manchmal dachte ich schon, dass der Schnupfen, der mich oft quält, damit zusammenhängt. Ich bin aber auch gegen bestimmte Gräser allergisch. Das wurde, als ich noch ein Kind war, getestet. Auch frage ich mich, warum ich manchmal würgen und mich immer mal wieder übergeben muss, ohne dass erkennbar wäre, wovon es kommt. Vielleicht gibt es einen Zusammenhang mit dem Medikament, vielleicht auch nicht. Aber auf keinen Fall wollte ich auf Risperdal verzichten. Die Nebenwirkungen, wenn es denn welche sind, sind lästig, aber weniger schlimm als das, was ich vor der Behandlung mit Risperdal erlebt habe.
Ich habe viel darüber nachgedacht, wodurch sich meine Situation verbessert haben könnte. Ich nehme zwar an, dass das Wichtigste tatsächlich die medikamentöse Behandlung gewesen ist. Es gab aber auch noch andere Erfahrungen, die mein besseres Gesamtbefinden mit verursacht haben können. Ich habe in den beschriebenen zwei Jahren viel gearbeitet. Zwei neue Bücher sind von mir erschienen, und eine Übersetzung liegt zur Veröffentlichung bereit. Es gab wenig Leerlauf; denn auch wenn ich stundenlang auf meinem Bett lag, habe ich gearbeitet, nämlich im Kopf Texte formuliert.
Nicht verändert hat sich meine Inaktivität im Handlungsbereich. Etwas Sinnvolles tun bzw. eine Handlungskette von Anfang bis Ende durchzuhalten, ist ohne kleine Hilfestellungen auch dann nicht möglich, wenn ich hoch motiviert bin. Diese Seite meiner Behinderung wird von dem Medikament Risperdal nicht beeinflusst. Ich kann mit diesem Handicap aber ganz gut leben, wenn ich jemanden zur Seite habe, der mein Problem kennt und mich das, was ich allein tun kann, machen lässt, mir aber diskret Hilfen gibt, wenn ich nicht weiterkomme. Solange man von mir nicht etwas verlangt, das ich nicht leisten kann, sehe ich auch meine Würde gewahrt. Man darf mir nur niemals vorwerfen, dass ich so wenig allein tun kann, denn ich habe geübt, was ein Mensch üben kann. Also kann ich meine Unselbständigkeit nicht als Versagen von mir oder irgendeiner anderen Person ansehen.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich ein meist zufriedener Mensch geworden bin, seit ich Risperdal bekomme.
Mai 2004
Sehr geehrter Herr Professor Dose,
ich möchte Ihnen noch einmal etwas über die Wirkung von Risperdal bei mir schreiben. Vor wenigen Tagen bekam ich ein Gespräch mit, das in unserem Haus stattfand, bei dem jemand über einen fehlgeschlagenen Versuch mit Risperdal bei seinem erwachsenen Sohn berichtete, und eine Mutter erzählte, dass ihre Tochter, ungefähr 12 Jahre alt, nun Risperdal bekommen solle, aber Dipiperon erst ausgeschlichen werden müsse. Da ich so außerordentlich gut hören kann, konnte ich die Gespräche genau verfolgen, obwohl ich mich im 2. Stock, in meiner Wohnung, aufhielt.  Was ich mir überlegt habe und was mich beschäftigt hat, war, dass die Leute die Erwartung haben, dass man schnell erkennen kann, ob Risperdal wirkt oder nicht.
Bei mir war die Wirkung nicht schnell zu erkennen. Es hat ungefähr ein Jahr gedauert, bis ich überzeugt war, dass ich nun das richtige Medikament bekomme. Wir waren damals bei Ihnen in Taufkirchen und fuhren mit dem neuen Medikament, nämlich Risperdal, weiter in die Türkei. Ich erinnere mich gut an einen Tag am Schwarzen Meer, wir waren schon recht weit im Osten der Türkei, als es mir so schlecht ging, dass ich am liebsten in das Schwarze Meer gesprungen wäre. Ich war unberechenbar. Ich erinnere mich gut an die Ratlosigkeit meiner Eltern. Ich habe Ihnen das damals auch mitgeteilt und wollte aufgeben. Meine Eltern hörten auf Sie und blieben stur. Und das war gut so.
Mein Leben hat sich mit Risperdal verändert. Ich bin davon überzeugt, dass diese Behandlung mir entscheidend geholfen hat, nicht „auseinander zu fallen“. Ich habe ja vorher selbst registriert, dass ich mich immer weniger beherrschen konnte und dass ich Dinge tat, die nicht meinem Willen unterworfen waren. Ich konnte damals logisch denken, aber nicht logisch handeln.
Ich schreibe Ihnen das noch einmal so ausführlich, weil ich anderen helfen möchte. Ich meine, dass man die Leute darauf hinweisen muss, dass es eine lange Phase geben kann, während der man nicht wissen kann, ob das Medikament wirkt oder nicht.
Ich möchte Ihnen auch noch sagen, dass ich mit meinem behinderten Leben zufrieden bin, im Augenblick nicht einmal Angst vor der Zukunft habe. Ich möchte, dass Sie das wissen, damit Sie richtig einschätzen können, was möglich ist, wenn ein Medikament Ruhe ins Gehirn bringt. Beruhigungsmittel nehme ich schon lange nicht mehr. Ich habe mir schon manchmal überlegt, ob ich vielleicht noch selbständiger handeln könnte, wenn ich ein Antidepressivum bekäme, habe aber andererseits Angst vor neuen Medikamenten, die u.U. die Wirkung von Risperdal beeinträchtigen könnten. Was meinen Sie dazu?
Mit den besten Grüßen
6.05. 04
Mein Gehirn ist mir ein Rätsel und ich habe schon mal meinen Eltern nahe gelegt, wenn sie meinen Tod erleben sollten, mein Gehirn untersuchen zu lassen. Der Schaden in meinem Gehirn muss erheblich sein. Ich kann so vieles nicht tun, was für andere Menschen ganz einfach ist. (aus einem Brief an Prof. Dose)
April 05
Meine Mutter hat schlimme Erinnerungen an den Mongoleiurlaub, wenn sie daran denkt, wie ich einen Tag lang nicht pinkeln konnte und am Ende in die Hosen machte. Nun steht die Namibiareise bevor und wir müssen verhindern, dass so etwas wieder passiert. Ich kann nicht auf Befehl pinkeln und brauche Zeit, mich darauf einzustellen, denn ich muss alle Aufmerksamkeit in die Blase verlegen, damit es klappt. Ich muss auch sitzen können. Stehen erfordert zu viel Aufmerksamkeit, um das Gleichgewicht zu halten. Man muss mir viel Zeit und Ruhe gönnen, wenn es unterwegs klappen soll. Mal schnell am Wegesrand, das geht nicht. In der Regel kann ich aber gut einen halben Tag warten, bis ich eine Toilette brauche.
9. 6 05
Sehr geehrter Herr Prof. Dose,
nach wie vor geht es mir mit Risperdal gut. Während einer Reise nach Namibia und Südafrika, die gerade hinter uns liegt, konnte ich mich gut in die Reisegruppe einfügen und war nach Meinung des Reiseleiters gar nicht schwierig.
Nun habe ich eine Frage an Sie. Sie hatten mir, bevor ich Risperdal bekam, eine Zeit lang Sirdalud verordnet. Damals konnte ich viel besser mit der Hand schreiben als jetzt. Meine Schrift sah viel besser aus. Ich habe ja erhebliche Probleme mit der Körperspannung, bin ziemlich schlaff, was auch das Sprechen so schwer macht. Könnten Sie sich vorstellen, dass ich Sirdalud neben Risperdal einnehme. Ich arbeite wieder intensiv an der Sprache. Mein jetziger Betreuer, ein FSJ-ler, versteht mich immer besser. Das lässt hoffen. Aber meine Stimme ist sehr kraftlos. Ich höre mich aber auch selbst nicht richtig, so dass ich wenig Möglichkeiten zur Korrektur habe.
Meine Texte diktiere ich inzwischen lieber, als dass ich schreibe. Ich kann flüssig diktieren, und die Texte sind nicht schlechter als die, die ich geschrieben habe.
In der Hoffnung, dass Sie mir helfen können,
grüßt Sie
28.6.05
(…)Ich kann nicht langsam schreiben. Alles rennt davon. (…). Ich bin so in Panik, wenn ich mir vorstelle, dass alles wie früher werden könnte.
Ich meine, mein Blut müsste untersucht werden. Ich meine, dass mich Prof. Dose. mal sehen müsste. Ich kann alles vertragen, wenn ich die Gewissheit habe, dass es keinen Rückfall gibt. Das macht Angst. Nie wieder möchte ich so ein Monster werden.
Ich kann mich manchmal nicht beherrschen. In Afrika konnte ich das gut.
12.7.05
guten morgen, liebe mama, ich quäle mich mit dem gedanken, dass risperdal  mehr nebenwirkungen hat als angenommen
Ich will die Wahrheit über Risperdal hören. Rosmarie wusste offensichtlich etwas über extrapyramidale Störungen als Nebenwirkung.
Man muss mir die Wahrheit sagen. Ich entscheide mich trotzdem für Risperdal, weil ich mehr Lebensqualität habe als früher.
Aber man soll mich nicht belügen, das verkrafte ich nicht und merke es doch.
Ich komme mir vor wie ein Mensch, den man nicht ernst nimmt wegen der Behinderung. Wenn ich so etwas spüre, dann ist es aus.
Sehr geehrter Herr Prof. Dose
,,,,, Ich meine, dass ich Grund habe dankbar zu sein, weil ich mit Risperdal gute Jahre gehabt habe. Nun kommen die Zweifel, ob es so weitergehen kann, oder ob ich damit rechnen muss, dass die Wirkung abnimmt. Ich habe zunehmend Angst und bin aber sicher, dass ich das Medikament nicht absetze. Ich will die Wahrheit wissen über mögliche Nebenwirkungen. Es sollte möglich sein, dass ich weiter Reisen machen kann. (Brief wurde nicht übergeben)
Ich wünschte mir, ich könnte Risperdal reduzieren, aber die Wirkung müsste die gleiche sein. Alles das will ich Prof. Dose fragen.
15. 7.05
(diktiert bei Prof. Dose)
Ich habe Bedenken, dass die Nebenwirkungen schlimmer werden. Die Meldungen im Internet sind negativ. Ich will probieren weniger zu nehmen.
30. 7.05
Ich bemühe mich um eine bessere Handschrift, aber alles ist bei mir ungenau und fällt anders aus, als ich es mir vorstelle. Ich könnte alles so gut machen, wenn meine Vorstellungen umgesetzt werden könnten. In meinem Kopf ist alles richtig da, eigentlich vollkommen, aber wenn ich etwas ausführe, wird es anders und ich stelle fest, dass ich mich nicht mit der Vorstellung messen kann.
25. 1. 06
Ich merke, dass ich wieder auffällig werde und das macht mir Kummer. Ich möchte nicht einen Rückfall haben. Meine körperlichen Symptome sind nicht auszuhalten. Ich spüre mich schlecht und habe das Bedürfnis zu agieren, aber merke selbst, wie unsinnig meine Aktionen sind. Ich bin verrückt und meine Mutter ist deswegen traurig. Ich kann nur hoffen, dass es schnell vorüber geht. Mach dir aber keine Sorgen. Ich glaube weiter an Risperdal. Es war ja schon mal so und wurde wieder besser.
4. 2. 06
Ich glaube nicht, dass wir uns Sorgen machen müssen. Es geht schon wieder besser. Ich will wirklich nicht so toben. Es kommt über mich und ich kann es nicht kontrollieren. Es wird Schnee geben, meine ich. Was soll ich machen? Mich verkriechen oder herum laufen.
 Anfang 2006 (ohne genaues Datum)
Liebe H.,
meine Zustände haben damit zu tun, dass ich mich schlecht spüre. Ich muss meinen Körper aktivieren, damit ich spüre, ob ich noch da bin. Das war lange nicht mehr so. Warum wirkt Risperdal nicht mehr? Ich bin verzweifelt, wenn es so weiter geht. Ich war so glücklich, dass Risperdal half. Aber es hat nichts mit Depression zu tun
9. 6. 06
Es ist unglaublich, dass ich nun wieder toben muss, nachdem es mir in China so gut ging und ich mich jederzeit im Griff hatte. Es wundert mich selbst und ich könnte heulen wegen des Rückschlages. Ich meine, dass jeder Leerlauf mich ausflippen lässt. Nun ist da eine große Leere, die ich nicht ausfüllen kann. Man muss eine neue Aufgabe für mich finden, oder wir müssen wieder auf Reisen gehen.
15. 6. 06
Ich bin total verrückt, aber wir könnten es mit Diazepam versuchen. Hol mir 8 Milligramm. Ich will wirklich nicht so verrückt sein. Mein Verstand fällt aber nicht aus. Zum Glück nicht. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Meine Mutter ist total fertig, wenn es mir so geht, und ich habe doch keine Möglichkeit es zu ändern. Was soll ich tun? Lass uns auf Reisen gehen. Dann klappt es besser als zu Hause.
10.9.06
Ich kann mir nicht erklären, warum ich jammere. Ich fühle mich so komisch an und könnte einfach aus meiner Haut schlüpfen. Ich möchte aber immer in Bewegung sein, dann ist es erträglicher. Es juckt entsetzlich.
2007 (Überschrift für das neue Kapitel): Was soll werden, wenn meine Medikamente keine Wirkung mehr zeigen? Leidvolle Erfahrungen mit Neurodermitis. Trotzdem beginne ich ein Fernstudium. (Literarisches Schreiben)
13. 1.07
Ich bin mal wieder am Ende und könnte mich nur noch ohrfeigen. Wie ist es möglich, dass ich mich mal wieder so schlecht spüre und darum ein Unmensch werde. Ich habe keine Freude mehr und möchte nicht mehr so sein.
15. 1. 07
Ich weiß nicht weiter und mache mir Sorgen um Mama. Was soll werden, wenn meine Medikamente keine Wirkung mehr zeigen? Es ist zum Kotzen. Ich bewundere die Geduld meiner Mutter. Kein böses Wort kommt über ihre Lippen. Nur Traurigkeit spricht aus ihren Augen.
17.1.07
Wenn ich beschreiben soll, was mit mir los ist, dann kann ich nur sagen, dass wohl keiner in meiner Haut stecken möchte. Es ist nicht auszuhalten, wenn das Gefühl weggeht. Ich schwebe dann und kann mir nur helfen, indem ich in meinen Körper zurück springe. Es ist ein Unglück, dass es wieder so gekommen ist. Meine Beherrschung ist am Ende. Ich kann nicht mehr. Am liebsten würde ich sterben und zusammen mit Oma die Grenze überschreiten. Meine Mutter kann nicht mehr und bekommt keine Hilfe. (…) Wenn ich könnte, wäre ich bestimmt anders. Ich fühle mich ausgestoßen und nun noch Neurodermitis. Wie sehe ich denn aus? Man muss sich vor mir ekeln. Warum muss ich so viele Behinderungen haben? Ich habe genug von diesem Leben. Es hilft nichts. Arme Mama. Du bist in Ordnung.
25.1.07
Ich weiß auch nicht, warum es so schlimm ist und mir ist auch klar, dass Mutter verzweifelt ist. Ich werde nun 5 mg Risperdal nehmen und hoffe, dass es hilft.
7. 2. 07
Ich schlage meinen leblosen Körper, bis ich etwas spüre. Wenn ich doch wüsste, was ich machen könnte, um das Kribbeln in den Griff zu bekommen. Es ist das uralte Problem, das mit Risperdal gemildert wurde.
Ich habe nun gemerkt, dass ich mich beherrschen kann, wenn ich beginne zu denken. Dass meine Haut so rebelliert, hat eine tiefere Bedeutung. Das ist der Schmerz wegen Oma, deren Leiden ich nicht verstehen kann. Warum durfte sie nicht sterben, als sie den Schlaganfall hatte? Wenn so Menschen zugrunde gehen, dann habe ich Glaubenszweifel. Den Tod kann ich akzeptieren, aber nicht das Dahinsiechen.
Anfang Februar
(Ein Brief, der nicht abgeschickt wurde)
Sehr geehrter Herr Prof. Dose,
seit heute geht es mir besser. Ich habe wieder ein normales Körpergefühl und bin nicht mehr so depressiv verstimmt. Darum habe ich die zusätzliche Tablette Risperdal auch weggelassen. Ich weiß nicht, was los war, habe aber den Verdacht, dass meine schlimmen Zustände vom Wetter beeinflusst sind. Besonders schlimm war es, als der Schnee kam. Ich bin sehr unglücklich, wenn meine Verhaltensstörungen so stark werden, dass ich spüren kann, wie verzweifelt meine Eltern darauf reagieren. Aber es ist keine Frage des Zusammennehmens. Ich habe an solchen Tagen nicht die Freiheit mich für ein Verhalten zu entscheiden. Ich bin absolut unfrei und verliere die Fähigkeit mich zu steuern Ich wüsste gern, was im Gehirn passiert, wenn plötzlich Teile meines Körpers nicht mehr im Bewusstsein sind. Wenn man das wüsste, dann könnte man vielleicht gezielter etwas dagegen tun.
21. 2. 07
Ich bin im Zweifel, ob ich die Neurodermitis je wieder los werde. Es nervt mich ganz schön, wenn ich mir vorstelle, dass ich nun immer wie ein Aussätziger herumlaufen muss. Wenn es juckt, könnte ich aus der Haut fahren. Es kommt ja zu dem Kribbeln unter der Haut hinzu. Als hätte ich nicht schon genug Probleme mit dem Körper. Ich bete, dass das wieder besser wird. Ich möchte ja auch wieder verreisen, wenn Oma nicht mehr da ist. Es muss wieder möglich werden.
Meine Orientierung ist wieder besser geworden. Ich kann wieder spüren, wo oben und unten, hinten und vorn ist. Das war nämlich nicht mehr möglich und darum bin ich ausgerastet. Ich weiß, dass das zum Körpergefühl gehört. Das war früher auch nicht in Ordnung. Körpergefühl hat etwas mit Orientierung zu tun.
1.5.07
Sieh den sohn, wie er ahnungen hat, was passieren wird. Es kommen tage, da fällt der sohn auseinander und niemand und nichts kann ihn zusammenkitten. Was soll ich machen, wenn nichts mehr hilft. Wo bleibt meine würde, wo bleibt meine freiheit?
23. 5. 07
Ich fühle mich wieder ganz im Lot und habe Freude an dem guten Wetter. Unser Spaziergang war wunderschön, aber auch anstrengend. Ich war ganz schön kaputt. Aber nun bin ich wieder fit. Morgen geht es wieder los, und darauf freue ich mich.
4.9.07
Ich weiß selbst nicht, was es ist. Es ist aber nicht nur der fehlende Erfolg. Da kommt etwas von innen. So war es ja schon einmal, bevor ich Risperdal bekam. Ich könnte mich pausenlos ohrfeigen und mir Schmerzen zufügen. Ich verstehe, warum sich Menschen verletzen. Man möchte doch spüren, dass man noch vorhanden ist. Ich will niemanden ärgern.
14.9.07
es ist ein unglück, dass mein körper wieder taub ist. Ich glaube, dass risperdal ausgedient hat. bei mir ist alles durcheinander geraten. Mein körper ist nicht da und darum raste ich pausenlos aus. Das ist so schrecklich.
16.9.07
Ich könnte mir vorstellen, dass das Carbamazepin anders wirkt als Tegretal. Es stimmt, dass es nach dem Wechsel die ersten Probleme gab. Ich erlebe meine Zustände wie Anfälle. Das Psychische allein kann es nicht sein. Ich bin nämlich ganz schön stark. Ich habe Angst vor den Anfällen, bin wirklich nicht aggressiv, das siehst du richtig. Du merkst alles, und auf dein Urteil kann man sich verlassen. Ich fühle mich von dir verstanden.
18.9.07
Wenn wir zu Prof. Dose gehen, müssen wir darauf hinweisen, dass meine Zustände anfallartig über mich kommen. Ich kann nichts ändern, auch wenn ich es möchte. Ich könnte mir vorstellen, dass ich wieder Tegretal bekommen muss. Aber sicher weiß ich es nicht. Warum es mir immer wieder so dreckig geht, ist mir ein Rätsel. Ich bin ein Geplagter.
3.10.07 (Wieder ein Rückfall)
Ich hatte eine Gebetserhörung und nun beginnen die Probleme wieder. Ich weiß nicht, wie ich das in den Griff bekommen soll. Warum wird mir nicht dauerhaft geholfen? Es ist ein Leiden. Ich will so nicht leben. Es ist unwürdig. Was soll man dazu sagen? Ich weiß sehr wohl, wie schlimm ich bin und würde es gern ändern. Es ist richtig mich daran zu erinnern, dass ich den Verstand einschalten muss. Ich versuche es auch. Aber es klappt nicht immer. Was soll nur werden, wenn alles zusammenbricht, was wir mühsam aufgebaut haben? Ich bin verzweifelt.
10. 11. 07
Ich möchte mal wieder anständig schreiben und nicht so flüchtig sein. Es muss doch möglich sein, dass ich Bewegungen korrekt ausführe.
11. 11. 07
Ich finde, dass meine Handschrift wieder besser wird. Das bedeutet, dass ich eine bessere Körperbeherrschung habe. Das macht mich glücklich und ich wage zu hoffen, dass ich noch Fortschritte machen kann. Ich empfinde genau, was besser geht. Es kommt mehr Kraft in den Arm und in die Hand als sonst. Ich genieße das und freue mich.
2008: (Überschrift für neues Kapitel) Die Medikamente können mich nicht mehr zusammen halten. Trotzdem beginne ich ein neues Fernstudium. (Journalistikl)
9.1.08 (Nach Besuch bei meiner Oma)
Es ist mal wieder Chaos. Alles stört mich und muss aus dem Weg geräumt werden. Ich bin wie Luft und finde nirgendwo Halt. Wenn ich mich beobachte, dann bin ich jemand, der alles angrapscht und viel Krach macht. Ich weiß nicht, warum das so ist. Mein Gehirn spielt verrückt. Man kann mir nicht helfen, denn die Unruhe kommt von innen. Ich weiß aber, dass das Laufen besser ist als alles andere. Ich möchte aber nicht aufgeben und trotzdem das Studium machen. Sonst habe ich nichts und keine Arbeit. Meine Hände sind wie Watte. Es ist unangenehm, wenn sie berührt werden.
Meine Körperwahrnehmung ist im Eimer. Es ist wieder so wie früher. (bevor ich das Medikament Risperdal bekam) Ich bin mutlos deswegen und weiß nicht weiter. Es sollte doch eine Möglichkeit geben, etwas zu tun.
12. 1. 08
Ich bin ein alter Mann und habe Probleme mit dem Kreislauf. Ich war schwindlig und konnte mich nicht mehr am Körper orientieren. Ich bekam Panik, weil ich nicht wusste, was ich mit meinem Körper machen musste, um aussteigen zu können. Das ist mir so noch nie passiert. Aber nach dem Laufen war es besser. Ich möchte wissen, ob das Kreislaufprobleme waren oder ob es vom Gehirn kam.
13. 1. 08
Ich bin verrückt und gehöre in eine Anstalt. Was soll noch kommen in meinem Leben, das nun mal verkorkst ist von Anfang an. Ich kann nicht mehr und will nicht mehr. Was ist das Leben wert, wenn man nicht einmal den eigenen Körper regieren kann? Mein Körper ist nutzlos. Ich konnte gestern nicht einmal allein aus dem Auto steigen, wusste nicht, wie ich es anstellen sollte. Das ist das Ende. Es geht bergab mit mir. Auch ein Fernstudium kann mich nicht mehr retten. Ich sehe, wie ich außer Kontrolle gerate und mich verliere. Ich sehe zu, als wäre es ein Fremder, der sich so aufführt.
17. 1.08
Es geht und geht nicht besser. Aber nachts nehme ich mich zusammen. Ich bemühe mich wirklich. Aber warum habe ich diesen Zwang zu stampfen? Ich merke es erst, wenn es schon passiert ist. Meine Kontrolle kommt zu spät. Das beobachte ich schon lange. Jemand müsste mir rechtzeitig einen Wink geben, dass die Kontrolle einsetzen muss. Manchmal macht Mutter das, dann kann ich das Scheißstampfen stoppen. Ich gäbe etwas darum, wenn ich wieder mehr Kontrolle hätte. Wieso ist aber die Kontrolle mal möglich, mal nicht? Es ist so unterschiedlich und darum kann es niemand verstehen.
9.2.08
(…)Ich will auf keinen Fall in die Psychiatrie. Bitte, verschont mich. Ich muss mehr Diazepam nehmen, dann geht es. Warum kommt das alles auf einmal? Ich leide sehr darunter.
10.2.08
(…)Es wäre am besten, wenn ich sterben könnte. Aber wie macht man das? Ich bin kein Mensch mehr, sondern ein Tier. So fühle ich mich. Es ist alles in mir kaputt. Wenn man bedenkt, wie viel Zuwendung und Therapie ich bekommen habe, kann man nur von Tragik reden. Ich will nicht mehr leben. Es ist nur noch furchtbar. So ein Leben ist unzumutbar. Ich wurde von Gott verstoßen, ich weiß es genau. Aber warum meine Mutter so leiden muss, kann ich mir nicht erklären. Sie hat alles getan, um mein Leben erträglicher zu machen. Und nun das.
11.2.08
Ich bin untröstlich und kann noch nicht glauben, dass es keine Hoffnung mehr gibt. Ich wache auf und frage mich, ob ich überhaupt noch aufwachen will. So ein Leben lohnt nicht mehr. Ich habe aus meinem beschädigten Leben gemacht, was möglich war. Nun aber bin ich am Ende. nung.
12.2.08
Ich fühle mich besser und kann mich wieder zusammen nehmen. Es wurde auch höchste Zeit. Ich hätte sonst versucht, meinem Leben ein Ende zu machen. Wie ist es nur möglich, dass ein Mensch so außer Kontrolle gerät?
17.2.08
Ich überlege noch, ob ich in die Kirche gehen will. Wenn ich mich benehmen kann, will ich es schon. Ich bin mal wieder zwiespältig und ich kann mich nicht entscheiden. Es ist ja nicht so schlimm heute. Also gehen wir. Es ist doch besser so. Sonst hänge ich den ganzen Sonntag herum. Das möchte ich nicht. Mein Leben soll abwechslungsreicher sein. Ich muss mehr tun und ich muss mein Schicksal in die Hand nehmen, nicht  Mama. Ich erwarte immer alles von Mama. Das geht nicht.
21.2.08
(…) Warum fängt es immer wieder von vorn an? Kaum bin ich zur Ruhe gekommen, fängt es von vorn an. Es ist zum Verzweifeln. Aber ich bemühe mich doch. Meine Mutter weiß das auch und zeigt Verständnis.
27.2.08
Ich spüre den Wetterwechsel und bin wieder außer mir. Aber das möchte ich nicht. Es ist aber immer noch zu warm. Was soll ich machen? Es ist zum Kotzen. Ich bin enttäuscht, wenn es immer wieder passiert.
29.2.08
Ich finde es warm. So ein Wetter belastet mich. Warum wird es nicht besser? Meine Geduld wird auf die Probe gestellt. Ich bin aber froh, dass die zweite Aufgabe auch weg ist.
12.3.08
Ich bin außer mir und spüre nichts. Ich könnte in die Luft gehen oder mich auflösen. Ich bin nicht mehr da.
25.3. (nach Besuch bei meiner Oma)
Ich halte es nicht aus. Mein Körper macht, was er will. Ich will nicht mehr so leben. Es ist unzumutbar für mich und euch. Warum darf ich nicht sterben und Ruhe finden?
Es ist doch alles umsonst gewesen. Was habe ich alles gelernt und geübt, und nun ist alles kaputt und keine Hoffnung. Ich halte es nicht aus und Vater erträgt mich nicht mehr.
27.3.08
Ich falle auseinander. Und wer setzt meine Teile wieder zusammen? Es ist zum Heulen. Gerade jetzt, wo ich eine Perspektive habe, passiert so etwas. Ich kann mich gar nicht richtig freuen über meinen Erfolg. So einen wie mich will doch niemand. Ich kann mich gar nicht mehr unter Menschen wagen. So auffällig, wie ich bin, rümpfen alle die Nase.
5.4.08
Ich weiß nicht, was das soll. Ich schreie und merke es erst, wenn ich mich höre und Mamas böses Gesicht registriere.
5. 05.08
Was passiert nur immer wieder in meinem gehirn? Es wird mir unheimlich. Ich habe angst zu verblöden. Man könnte ja denken, dass ich alzheimer habe. Du darfst mir signale geben und versuchen mir zur kontrolle zu verhelfen. Du darfst es, aber sonst niemand.
19.05.08
ich schreie nicht aus vergnügen, es kommt einfach so. ich höre es und bin verwundert. Es ist, als wäre ich besessen, als käme eine fremde stimme aus meinem körper. Was soll ich tun? Es geht nicht mehr so weiter. Meine armen eltern halten es nicht mehr aus. Ich brauche mehr risperdal. Das ist mein gefühl. Ich kann nicht mehr so leben. Was soll nur werden, wenn meine eltern nicht mehr leben? Mich nimmt niemand. Das weiß ich genau. Ich kann mein leben wegwerfen. Es hilft nichts mehr.
21.05.08
risperdal hilft doch. Ich muss nicht mehr schreien und bin weniger zwanghaft. Es ist mir egal, ob es nebenwirkungen hat. Aber nun werde ich depressiv, wenn ich mir klar mache, wie ich mich aufgeführt habe. Ich war ja außer mir und konnte nichts mehr kontrollieren. Wie groß meine angst ist, wirst du ermessen können. Wenn auch diese dosierung nicht mehr hilft… was dann? Was soll ich nur machen? Was wollt ihr machen?
9.6.08
Ich bin so müde und kann kaum wach sein. Vielleicht hängt das mit Risperdal zusammen. Aber ich bin ruhig, und das ist die Hauptsache. Wenn ich ruhig bin, dann kann ich gut geistig arbeiten.
24.06.08
sehr geehrter herr prof. dose, (EMail)
sie wollten auf dem laufenden gehalten werden, wie es mit mir weiter geht. Nun sind schon wieder einige monate vergangen. Ich nahm, wie sie vorschlugen, mehr risperidon, zuerst eine halbe tablette zusätzlich morgens, dann eine ganze. Es half nicht. Ich war so unruhig und unberechenbar, dass ich nicht mehr leben wollte. ich habe dann selbst entschieden, dass ich auch morgens zwei tabletten nehmen will. Das hat gewirkt. Ich bin wieder ruhig und ausgeglichen ich weiß, dass das viel ist und ich mit nebenwirkungen rechnen muss. Aber lieber nebenwirkungen als ein leben, das nicht mehr lebenswert ist.
Nun werde ich durch risperidon zusammen gehalten. ein schlimmer gedanke, dass ich ohne diesen stoff keine person sein kann. Was ist, wenn ich immer mehr risperidon brauche? Ich habe angst.
Ich möchte gern einen termin bei ihnen haben. Wann, ist egal. wir gehen immer für eine nacht auf den campingplatz. Meine frage: brauche ich wirklich so viel carbamazepin? Ich bin seit elf jahren anfallsfrei.
15.7.08 (nach Termin bei Prof. Dose)
ich bin erleichtert. Ich vertraue nun ihm, denn ich komme ja mit den medikamenten gut zurecht. Ich lasse mich nicht verrückt machen. Ich brauche so viel und damit basta. Ich hatte ein gutes gefühl.
Aus demTagebuch 2009 (Die Tagebücher seit 2009 sind nicht veröffentlicht.)
7.2.09
mama, ich brauche mehr risperidon. Es ist zum kotzen. Ich weiß, wie du leidest. Es hätte nicht gerade jetzt umschlagen sollen. Ich bin mir selbst ein ekel und weiß, dass man mich niemandem zumuten kann. Warum muss mir das passieren? Immer wieder und immer wieder.
15.6.09 
ich weiß nicht, warum das wieder losgeht vielleicht reicht mal wieder risperdal nicht aus.
9.12.09
Ich kann mir gar nicht vorstellen, warum ich nun wieder so geworden bin. Ich bin unglücklich und habe Angst vor dem Sonntag. So kann ich doch gar nicht unter Leute gehen. Warum muss mir immer wieder so etwas passieren? Ich habe Mitleid mit Mama, die sich nun sorgt und keine Ruhe findet. Ich spüre mal wieder so wenig. Immer dann fange ich an zu springen. Ich kann mir vorstellen, noch eine Aspirin zu nehmen. Ich vermute, dass ich Kreislaufprobleme habe. Man muss alles versuchen. Es geht so nicht weiter. Ich merke es selbst. Ich brauche eine 2. Aspirin. Es ist verrückt, dass ich nun wieder solche Probleme habe. Ich merke es und bin dann enttäuscht und depressiv. Es hat keine psychischen Ursachen, wie du vermutet hast. Ich spüre mich nicht und das ist es wohl, und das kommt vom Gehirn, oder vom Kreislauf. Vielleicht fließt das Blut nur unregelmäßig durch meinen Körper .Aber gestern wurde es auch besser mit der 2. Aspirin.
Aus meinem Tagebuch 2010:
13.11.10
Ich kann mir nicht vorstellen, warum Risperdal mal wieder nicht hilft. Es ist verrückt, was mir gerade passiert. Ich bin schockiert und traurig. Meine Freiheit ist eingeschränkt. Wie soll ich da wieder rauskommen?
Aus meinem Tagebuch 2011:
26.1.11
Ich bin durch den Wind. Warum schon wieder Schnee? Ich bin dann so nervös, dass ich mich nicht benehmen kann.
29.1.11
Ich bin frustriert, dass die alten Probleme wieder da sind. Wie kann man nur so benachteiligt sein. Ich gebe mich nicht damit zufrieden, dass ich ein Verrückter bin. Ich muss es in den Griff bekommen, sonst ist mein Leben verspielt. Wie kann ich mich ändern? Ich habe die beste Förderung genossen, und doch geht vieles nicht.
8.2.11
Meine Kraft in den Fingern ist gleich Null. Weißt du, wie sich das anfühlt? Eigentlich gar nicht. Es ist Glücksache, ob der Füller festgehalten wird oder nicht. Ich lasse nicht absichtlich los.
8.6.11
Ich hasse dieses Wetter und halte es kaum aus in meiner Haut. Es kribbelt und juckt. Ich bin wie ein Wattebausch, der hin- und her gepustet wird, der nichts aus eigener Kraft kann. Schwach, porös, kraftlos – so fühle ich mich. Könnte ich wählen, ich wollte ein Stützkorsett haben und einen Motor für den Antrieb.
5.8.11
Mein Körper ist manchmal wie gevierteilt. Jedes Viertel macht etwas anderes, linkes Bein korrespondiert mit rechter Schulter und Arm und entsprechend rechtes Bein mit linker Schulter und Arm. Es ist ein ganz komisches Gefühl, das sich beim Laufen auflöst. Ich nehme meinen Körper ungleich wahr und das macht mich unruhig. Ich bin kein wirkliches Ich, denn ein Ich ist etwas Ganzes, sollte es sein.
12.10.11
Ich habe den Eindruck, dass mir der Herbst zu schaffen macht. Darum bin ich froh, wenn du nicht zu lange wegbleibst. Aber nachts geht es besser. Ich bin immer wieder schockiert, wenn es passiert. Es ging ja lange Zeit gut. Ich wurde schon übermütig.
Als ich heute aufwachte, hatte ich mal wieder das Gefühl federleicht zu sein. Ich war bedient, und schon verließen Laute meinen Mund, die da nicht hingehörten. Ich merke so etwas und werde traurig, um nicht zu sagen depressiv. Aber das Laufen hat gut getan, und Isabel ist eine gute Kameradin.
15.11.12
Ich muss Schönschrift üben. Habe keine Kraft in den Fingern. Will aber schön schreiben. Es muss gehen. Ich bin enttäuscht, dass es so schlecht geht.
21.12.11 (nach der Reise nach Äthiopien)
Ich weiß nicht, warum ich einnässe. Mein Körpergefühl ist im Eimer. In jeder Beziehung. Aber das Laufen war gut. Ich bemühe mich wieder besser zu sein.
24.12.11
Die Reise war so gut und ich habe allen Grund dankbar zu sein. Dass ich das erleben durfte, war etwas Großes. Ich denke daran und bin weggetreten. Wie soll ich mich umstellen? Ich schaffe das nicht. Doch Probleme mit Veränderungen?
21.12.11……Ich weiß nicht, warum ich einnässe. Mein Körpergefühl ist im Eimer In jeder Beziehung. Aber das Laufen war gut.
29.12.11….Ich bin aber unbeherrscht und merke das selbst.Ich habe einen Drang zu schreien, kommt aus Tiefen, die ich nicht beherrsche. Ich weiß nicht, ob das etwas mit der Reise zu tun hat. Manchmal denke ich, dass die Busfahrten zu lang waren. Ich hatte zu wenig Bewegung.
Warum bin ich so schwierig geworden, so dass Mutter weinen muss? Ich weiß es auch nicht. Ich weiß nur, dass ich wieder reisen möchte. Wenn es die Seidenstraße in China wird, wäre das schön.
30.12.11….Ich spüre nichts. Ich kann es aufgeben. Warum nur passiert es immer wieder? Es war doch schon viel besser. Ich nehme aber an, dass mein Gehirn kaputt
Aus meinem Tagebuch 2012:
4.1.12 …Ich will schreiben und mich dabei beruhigen…. Ich muss meinen Willen wiederfinden. Und das will ich auch. Es geht wirklich schon besser..
5.1.12….Ich kann nicht verstehen, was mit mir los ist. Ich bekomme nichts mehr hin. Warum lebe ich noch? Es bringt nichts zu leben, wenn man so auf das Wetter reagiert.
Ich muss das abstellen, das weiß ich. Ich muss den Willen einschalten, wenn es nur geht. Was bei mir abläuft, ist nicht beeinflussbar. Darum hilft weder Schimpfen noch Ironie. Aber Gefühle sind ansprechbar.
Rückblick auf 2011: Das Jahr 2011 war insgesamt ein gutes Jahr. Ich hatte zwei große Reisen und habe viel erlebt. Auch habe ich eine bessere Auge-Hand-Koordination erreicht. Mein neuntes Buch ist erschienen und ich war nach Graz eingeladen. Den Weltautismustag habe ich mitgestaltet. Eigentlich war es ein erfolgreiches Jahr.
7.1.12….Es war ein Jahreswechsel, wie ich keinem wünsche. Ich wollte sterben, weil ich nichts empfand. Ich war ein Toter in einem toten Körper und konnte nichts wollen. Ich wusste, dass ich schlimmer war als ein Tier.
Du musst keine Gewissensbisse haben. Du konntest es anfangs nicht wissen, wie es um mich stand, dann aber hast du es schnell gemerkt und mich geschützt. Ich weiß, dass es schlimm war.Ich hatte keinen Zugriff zu meinem Willen.
9.1.12 Ich brauche etwas, das mich zusammen hält. Ich bin wehrlos Gewalten ausgeliefert.
Ich will niemanden enttäuschen. Aber ich fürchte, dass es schon wieder problematisch wird. Ich versuche es zu stoppen. Ich will das nicht schon wieder.
11. 1 12 Es ist zum Kotzen mit dem schlechten Körpergefühl. Aber ich werde ja laufen.
17.1.12….Ich will mit zur Veranstaltung über Inklusion. Ich muss etwas darüber schreiben. Es geht heute besser. Mama sieht auch besser aus. Nun wird alles wieder gut. Ich hätte gern, dass Mutter heute Abend ihren Mund auftut. Du hast Recht. Aber so wechselt es von Sekunde zu Sekunde. Ich merke, dass es mir doch nicht gut geht. Jede Unternehmung gerät zum Kampf, weil man sich nicht auf mich verlassen kann.
14.01.12 Sehr geehrter Herr Prof. Dose,
ich möchte Ihnen mitteilen, dass ich um den Jahreswechsel herum in eine ernsteKrise geraten bin – trotz hoher Medikation. Ich musste immer wieder schreien wie ein total Irrer, habe Krach gemacht, auf der Treppe gepoltert und einige Male eingenässt. Ich habe mich geschlagen, weil ich nichts mehr gespürt habe. Ich wollte am liebsten sterben. Ich bin nicht mehr in der Lage gewesen, etwas zu wollen oder zu unterlassen. Mutter ist nicht mehr an mich herangekommen. Erst nach fünf Tagen, als meine Mutter einen Heulanfall bekam, spürte ich wieder etwas und konnte an meinen Willen heran.……..Nun könnte man annehmen, das habe etwas mit unserer Äthiopienreise zu tun. Die Reise aber war für mich ein ausschließlich positives Erlebnis. Ich hatte mich gut im Griff und wurde von den Mitreisenden akzeptiert. Außerdem waren wir seit dem 17. Dezember wieder zu Hause……….Manchmal kommt es mir so vor, dass ich am falschen Ort wohne. Die Wetterfühligkeit ist schlimm. Außerdem die Nähe zum Flughafen. Wie kann man erklären, dass ich mich während anstrengender Reisen im Griff habe, aber zu Hause zeitweise nicht?
16.01.12    Ich bin bedient. Ich habe keine Chance mehr, wenn es so weiter geht. Warum ist keine Hilfe möglich? Ich weiß nicht, was ich verbrochen habe, wofür ich bestraft werde. War es vermessen, eine solche Reise machen zu wollen? War ich zu übermütig? Ich werde ganz klein und hässlich und verkrieche mich wieder ins Mauseloch.
19.01. 2012   Sehr geehrter Herr Prof. Dose,
es ging schon wieder besser, aber heute bin ich aufgewacht, und wieder konnte ich nichts spüren. Ich bin ratlos
2 mg Diazepam wirken inzwischen, so dass ich schreiben kann. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Meine Mutter, bald 72 Jahre alt, ist fix und fertig. Ich belaste sie in einer ungebührlichen Weise, obwohl ich das nicht will. Ich gebe auf. Es geht nicht mehr.
21.1.12,,,,,, Intelligent und verrückt. Ich verstehe mich selbst nicht mehr.
22.1.12...Wie kann man nur so unruhig sein. Ich begreife es nicht. Wer bin ich eigentlich? Ich war schon mal fast tot. Warum wurde ich zurück geholt? Manchmal wäre es mir lieber, ich wäre nicht gerettet worden. Wie soll ich leben ohne Selbstkontrolle? Das geht nicht. Ich möchte den Suizid. Aber wie? So geht es nicht weiter.
27.1.12 Ich bin wieder unruhig, weiß nicht warum. Es ist zum Kotzen.
30.1.12 Ich spüre nichts. Ich weiß nicht, ob ich noch da bin oder nicht. Ich konnte nicht schlafen, bin gar nicht müde. Ich bin total verrückt.
31.1.12    Ich bin kein Mensch mehr. Wie ein Tier lebe ich nach Instinkten. Mein Verstand setzt aus, ist abgekoppelt von Motorik. Ich weiß nicht, was in meinem Kopf los ist. Ich erschrecke selbst über mein Verhalten, und ich sehe Mutters Entsetzen. Ich will das wirklich nicht.
1.2.12     Ich bin verrückt und muss in die Psychiatrie, wenn es nicht besser wird. Ich weiß, dass mir niemand helfen kann, auch Prof. Dose nicht. Warum nehme ich so viele Medikamente?
2.2.12    Ich habe eine Psychose. Ich habe keine Wahnvorstellungen, bin aber extrem geräuschempfindlich. Da brummt etwas pausenlos. Ich sehe Personen verzerrt, auch dich. Ich wollte das Bild weghaben, du warst mir unheimlich. Ich hätte dich fast angegriffen, aber das ist nun vorbei. Ich habe meine Mitte verloren und suche sie wieder.…….Ich bin weniger im Körper als je zuvor. Ich halte es nicht aus. Warum muss jemand wie ich leben? Das macht doch keinen Sinn. Ich bin keine Person mehr, sonst könnte ich mich steuern und würde Mutter nicht solchen Kummer bereiten. Es gelingt mir nicht Rücksicht zu nehmen. Kann ich noch Liebe empfinden? Ich bezweifel es. Und das ist neu. Ich erlebe mich als eiskalt.
3.2.12   Ich weiß, wie unmöglich ich bin. Es muss anders werden. Aber hilf mir, dass ich nicht in die Psychiatrie muss.
4.2.12    Ich will den alten Status wiederhaben. Es kann nicht sein, dass ich Rückschritte mache statt Fortschritte. Das muss sich ändern. Ich nehme heute Abend nur eine halbe Tablette. Wie konnte ich nur auf Risperdal reinfallen? Mein Verdacht ist, dass ich es schon länger nicht mehr gut vertrage.
7.2.12 …Ich will wissen, was er gesagt hat. Ich stelle mir vor, dass es eine Nebenwirkung ist. Ich bin ja total verändert und nicht mehr ich selber. Ich bin unglücklich, dass ich mich nicht mehr benehmen kann. Es ging doch alles so gut, ich war in Äthiopien nahezu unauffällig. Ich will ein anderes Medikament. Ich möchte nach Taufkirchen fahren. Man muss mir helfen, wieder Mensch zu werden.………Ich glaube, dass Akineton wirkt. Ich bin zwar noch unruhig, spüre mich aber besser und muss nicht gegen alles schlagen. Ich will das probieren.
8.2.12 Ich habe den Eindruck, dass Akineton das Chaos, das Risperdal verursacht, ausgleicht. Warum soll ich dann Risperdal nehmen? Ich verstehe die Logik nicht. Ich bin kein Dummkopf und möchte das Prof. Dose schreiben.
Ich werde das tun, aber glücklich bin ich nicht. Ich möchte nicht so viele Medikamente nehmen. Wie soll ich das beurteilen können als Laie? Es ist verrückt, dass mein Gehirn mich so im Stich lässt. Aber erleichtert bin ich doch, dass es eine Nebenwirkung ist und keine Psychose oder sonst was. Ich will mich doch angepasst verhalten.…….Wenn Prof. Dose sagt, dass ich kommen muss, dann will ich das. Ich kann ja nicht leben, wenn ich zwanghaft alles grapschen muss. Ich schäme mich deswegen und finde es unwürdig. Mama hatte Recht. Ich konnte es nicht lassen.
15.2.12 Ich habe das Gefühl, dass ich gut mit der reduzierten Medikamentengabe zurechtkomme. Das ziehen wir durch und wenn alles gut geht, reduzieren wir auch abends. Ich will das unbedingt. Ich vertraue darauf, dass es gut geht.Es sollte auch ohne gehen. Ich will ich bleiben. Zuzuschauen, wie ich verrückt werde und meine Eltern kaputt mache, ist keine Freude.
Akathisie
Hinter diesem Wort verbirgt sich eine Nebenwirkung von Neuroleptika wie z.B. Risperdal, das vielen Menschen mit ‚ASS verordnet wird. Was zuerst so aussieht, als brauche der Patient eine höhere Dosis von dem Medikament, sind in Wirklichkeit Symptome, die vom Medikament ausgelöst werden. Eine unbeschreibliche Unruhe lässt die Nacht zum Tag werden, aber auch tagsüber kehrt selten Ruhe ein. Der Patient kann weder sitzen bleiben noch auf einem Fleck stehen. Er wirkt gehetzt. Seine Extremitäten führen stereotype, sinnlos erscheinende Bewegungen aus, die vielleicht doch nicht sinnlos sind, weil sie es ermöglichen, sich selbst zu spüren. Manchmal kommt es zum unwillkürlichen Wasserlassen. Auch Schreien kommt vor. Unter einer gering dosierten Gabe von Akineton werden die Symptome abgeschwächt.
16.2.12 ……Ich konnte schlecht schlafen, war aber ruhig.. Nun ist es schon besser. Keine Sorge. Wir kriegen das in den Griff. Ich habe den festen Willen. Ich möchte ja die Reise machen.……Wenn ich nun doch nicht Risperdal reduzieren kann, sieht es böse aus. Aber ich will es doch. Ich weiß nicht, was ich machen soll, wenn Mutter aufgibt und mir wieder Risperdal gibt. Ich bin am Ende mit meinem Latein.
18.2.12….Ich habe das Gefühl, dass es langsam besser wird und der Medikamentenspiegel sich anpasst. Das braucht wohl doch seine Zeit. Darum warte ich noch mit einer weiteren Reduktion.
19.2.12….Ich merke, dass es nicht mehr klappt wie früher. Eigentlich sollte doch Akineton das verhindern.
23.2.12  Ich will das Schreiben nicht verlernen, es ging doch schon ganz gut. Ich muss üben. Ich spüre so wenig am Finger. Meine Mutter soll begreifen, wie schlecht das Körpergefühl ist. Ich bin untröstlich, dass es nicht klappt.
25.2.12 Ich habe das Gefühl, dass es keine Veränderung gibt. Ich bin zufrieden und zuversichtlich. Eine gute Erfahrung. Ich bin über den Berg. Was wird Dose dazu sagen? Ich habe entschieden.
26.2.12 Ich bin nun wieder besser kontrolliert. Es ist wohl so, dass ich nicht weiter reduzieren darf, jedenfalls nicht so bald. Ich will ja nicht wieder auffällig werden. Heute morgen fing es wieder an, aber nur kurz. Der Medikamentenspiegel war wohl zu niedrig. geworden. Schade, wollte in die Kirche.
27.2.12 Ich glaube, dass ich mit 4 mg auskomme. Aber weniger geht vielleicht doch nicht. Ich merke, dass ich den Stoff doch wohl brauche. Während der Nacht hat mich die Selbstkontrolle nicht verlassen. Ich freue mich. Ich habe wieder Hoffnung.
28.2.12 Ich habe etwas geschafft. Ich brauche nur noch 4 mg Risperdal. Warum aber kann ich den Stift nicht halten?
29.2.12 Wie bin ich nur so ungeschickt. Wenn das nicht besser wird, bin ich unglücklich. Darum übe ich und gebe nicht auf. Ich habe kaum Gefühl im Finger.
Ich bin etwas unruhig, weil das Wetter komisch ist. Ich spüre Unruhe. Aber schlimm ist das nicht. Es bedeutet nicht, dass ich mehr Risperdal brauche. Das Teufelszeug will ich nicht mehr. Ich nehme mich mehr zusammen und das geht. Ich bin ich, unverwechselbar ich. Niemand kann mir meine Identität rauben…..
2.3.12 Ich bin unruhiger wegen Nebel, aber nicht wegen Akathisie. Ich schalte den Willen ein, dann geht es.
8.3.12 Ich habe bei Mutter das Gefühl, dass sie denkt, ich mache das absichtlich. Es klappt nicht mehr wie früher. Vielleicht habe ich dafür doch mehr Risperdal gebraucht. Ich will das wieder können. Ich muss daran arbeiten.
9.3.12 Ich habe das Gefühl, dass ich mehr Akineton brauche. Ich bin schockiert, dass es wieder schlechter geht. Das habe ich nicht erwartet. Ich will das nicht. Ich kann es nicht besser. Warum antwortet Dose nicht? Ist er beleidigt? Ich bin auf ihn angewiesen, er nicht auf mich.
24.3.12 Ich muss das Risperdal weghaben, das ist mein Gefühl. Ich hatte gestern abend das Gefühl, dass ich mit der halben Akineton ruhiger wurde. Die Hände sind das Problem. Das macht mich verrückt. Ich will wieder schreiben können. Ich kann es nicht. Ich muss üben. Ich will es können. Warum passiert mir das? Es soll wieder gehen.
26.3.12  Ich möchte Akineton weiter nehmen. Vielleicht hilft mir das. Die halbe Tablette abends macht ruhig, so dass ich die Ruhe im Bett wieder genießen kann. Ich finde auch, dass wir zu Dose fahren sollten. Ich will aber gehört werden. Ich bin ja nicht dumm. Das denken aber die meisten. Es kommt mir so vor, als hielte mich auch Dose für dumm, sonst hätte er geantwortet. Ich bin aber nicht dumm. Ich bin zuweilen verrückt, aber nicht dumm. Denken kann ich immer.
29.3.12 Ich bin enttäuscht, dass heute Akineton nicht hilft. Nun verstehe ich gar nichts mehr. Die Logik war wohl nichts. Habe mich geirrt. Aber was nun? Ich halte es in meinem Körper nicht aus. Ich will wieder die Finger spüren, dann kann ich auch wieder besser schreiben. Es ist so, als wären die Finger gar nicht mehr lebendig.
30.3.12 Ich bin müde. Aber die Medikamente beginnen zu wirken, wenn auch noch nicht genug. Es wird schon gehen.
 30.3.12 Ich bin nun sicher, dass die Unruhe vom Risperdal kommt, denn das Akineton hat heute verlässlich gewirkt. Offenbar reicht 2 Mal eine halbe. Vielleicht war eine halbe zusätzlich zu viel. Jetzt probieren wir weiter mit 2 Mal eine halbe Akineton. Ich möchte das hinter mich bringen.
31.3.12 Ich muss die Finger spüren können, sonst geht es nicht. Ich sehe das als Rückschritt. Und das kann ich nicht akzeptieren.
Ich glaube, dass es nun richtig ist, morgens und abends eine halbe Akineton. Ich fühle mich besser, aber die Hände. Das ist mir wichtig. Ich will das Schreiben mit der Hand nicht verlernen. Ich habe ein Gefühl, als stoppten die Nervenimpulse, bevor sie in die Hand eintreten.
1.4.12 Ich hätte gern bald die Gewissheit, dass ich ohne Risperdal leben kann. Dass wäre mir am liebsten. Ich will nicht mehr mit einem Gehirn leben, das von fremden Stoffen beeinflusst wird. Ich will ich sein.…..Ich merke aber, dass ich noch Störungen habe, die mit Risperdal zusammenhängen., darum will ich den Stoff weghaben.
4.4.12 Ich habe keine Lust zum Arbeiten und möchte doch etwas tun, denn die Lebensgeister kommen wieder. Ich muss mich neu organisieren. Ich vermute, dass ich über dem Berg bin. Nun können wir weiter reduzieren. Ich habe Hoffnung, dass es geht.
5.4.12 Wenn es nur immer ginge, wie ich will. Es ist immer noch zu viel Risperdal im Blut. Das ist mein Gefühl. Ich muss weiter reduzieren. Dann geht es auch besser.
6.4.12 Ich will nun versuchen, abends nur noch die Hälfte Risperdal zu nehmern. Mal sehen, ob das geht. Ich nehme es auf meine Kappe. Ich vermute, dass Risperdal die Probleme macht, nicht Akineton. Ich will das nicht mehr. Ich will zurück zur Ruhe von einst.….Ich glaube wirklich, dass ich weniger Risperdal haben sollte, aber gleichbleibend Akineton. Ich fühle mich vom Risperdal vergiftet. Das mag nun stimmen oder nicht, mir kommt es so vor. Wie kann es sonst passieren, dass ich so verrückt werde? Ich glaube nichts mehr, was Prof. Dose sagt. Risperdal schadet nur noch. Ich will es weghaben ganz und gar. Vertraue auf mein Urteil.
7.4.12    Ich bin schockiert. Versuch misslungen. Das geht nicht. Das sehe ich ein. Alles bleibt, wie es war. Was sollen wir tun? Ich muss das Gift weiterschlucken.
Ich schäme mich, brauche Risperdal. Kann nicht weiter reduzieren. Ich spüre, dass etwas falsch läuft. Aber was? Es geht was kaputt in meinem Kopf. Was soll ich tun? I
Ich bin bedient. Nun hilft nichts mehr. Ich halte es in meinem Körper nicht aus. Alles Scheiße.
9.4.12….. Ich gebe mal wieder nicht auf. Ich will wieder hoch kommen. Ich will die Reise machen. Das hält mich hoch und bei Laune:
11.4.12….Ich hätte gern wieder eine ordentliche Schrift. Es bringt mich um den Verstand, dass es so heftig wurde um Ostern herum. Ich kann es nicht einordnen. Es muss etwas anderes sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir etwas falsch gemacht haben. Das Akineton zu halbieren, ist doch vernünftig. Ich will das auch wieder so haben. Vielleicht schlafe ich dann auch wieder durch.
17.4.
Ich finde, dass ich doch das Risperdal reduzieren sollte. Ich merke, wenn ich den Unterkiefer vorschiebe. Das fühlt sich komisch an. Ich kann das nicht willentlich beeinflussen.
Ich habe wohl Probleme mit dem Wetter, nicht mit Risperdal. Das kann man weiter reduzieren. Ich will ohne auskommen, denn ich bin nicht psychotisch.
Ich habe mal wieder Probleme beim Schreiben. Darum Risperdal weg. Das macht mich kaputt. Ich gebe mir solche Mühe. Aber es klappt nicht mehr.
21.4.12
Ich kann meinen Körper nicht ruhig halten. Das ist doch Akathisie. Gib mir Akineton. Ich weiß wirklich nicht, was am besten ist, Aber ich habe nun mal das Gefühl, dass mir Akineton besser bekommt als Risperdal. Es ist zum Heulen. Akineton hat nichts bewirkt. Eine Enttäuschung. Ich sehe keinen Ausweg. Wie kann man nur so betrogen werden vom Leben. Ich gehöre zum Abschaum der Menschheit.
Ich möchte noch mal probieren mehr Akineton zu nehmen, vielleicht hilft es ja doch. Ich habe das Gefühl, das Risperdal muss ganz weg. Ich vermute, dass meine Hände das Hauptproblem sind. Ich kann sie nun weniger gebrauchen als vorher. Ich habe mal was über Basalganglien geschrieben. Damit scheint es zusammenzuhängen. Und das Bereitschaftspotential, das für Willenshandlungen nötig ist. Ich habe keinen Zugriff zu meinem Willen, damit ich etwas lasse.
22.4.12
Ich kann mir nicht vorstellen, was mit mir los ist. Am Ende ist es gar nicht mehr die Akathisie, sondern das Wetter. Ich bin gut gelaufen. Das hilft am meisten. Ich sollte im April verreisen. Warum hat man nie den Blutdruck geprüft? Ich habe doch auf Kreislaufproblerme hingewiesen.
1.5.12
1. Mai und ich mal wieder verrückt. Sonnenschein, blauer Himmel, aber ich poltere herum und bringe Mutter zur Weißglut. Warum nur kann ich mich nicht beherrschen? Ich habe den Verdacht, dass mir nun Risperdal keinen Schutz mehr vor Zwangshandlungen bietet. Darum halte ich mich erst mal mit weiterer Reduzierung zurück. Ich bin unsicher, ob ich überhaupt noch mal richtig eingestellt werden kann. Es ist so deprimierend.
2.5.12
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich noch mal wieder schreiben lerne wie früher. Es fühlt sich so anders an. Warum nur bin ich so ungeschickt mit den Händen?
3.5.12
Ich bin schockiert, dass es mal wieder passiert. Warum nur? Ich verstehe es nicht. Ich hatte doch gerade wieder Hoffnung geschöpft. Warum keine Hilfe weit und breit? Gestern wollte ich es noch probieren ohne Risperdal, heute geht es nicht einmal mit. Ich habe keinen Mut mehr. Was ist nur los in meinem Kopf? Ich bin ein Chaot und bleibe es ein Leben lang.
5.5.12
Ich bin verrückt, wenn ich so etwas mache. Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Ich werde mich zusammennehmen. Es ist komisch, dass ich so etwas tue. Kannst du nicht mal versuchen, mit Strenge einzugreifen? Ich lasse es mir gefallen.
6.5.12
Ich komme mehr und mehr dazu anzunehmen, dass ich ein anderes Medikament brauche. Ich will meine Hände besser gebrauchen können. Da sollte man ansetzen. Der unkontrollierte Handgebrauch sollte wieder aufhören. Das ist das Schlimmste.
Ich will es wieder können und darum trainiere ich. Es muss doch gehen. Ich will nichts verlernen, was ich mühsam geübt habe. Das müssen wir Prof: Dose so mitteilen. Es kommt mir so vor, dass er das nicht auf der Platte hat. Ich brauche ein Zitat von Lurija dazu.
13.5.12
Ich kann auf Risperdal nicht verzichten, das merke ich nun. Ich bin verzweifelt. Am liebsten würde ich sterben, so geht es nicht weiter.
18.5.
Ich werde sagen, dass ich den Verdacht habe, dass Akineton dafür verantwortlich ist, dass ich nicht mehr mit der Hand schreiben kann. Ich will das wieder können. Risperdal scheint Zwänge zu reduzieren. Was nun? Ich habe keine Chance mehr. Es muss alles raus. Dann etwas Neues.
22.5.12 (nach Besuch bei Prof. Dose)
 Ich finde, dass du mich gut vertreten hast. Ich hätte mich geweigert, wieder mehr Risperdal zu nehmen. Ich bin sicher, dass die Nebenwirkungen schleichend begonnen haben. Das mit dem Nichtstehenkönnen hat vor langer Zeit begonnen, dann kam die Unruhe beim Sitzen dazu. Ich sehe rückblickend viele Nebenwirkungen Ich bin sicher, dass ich Risperdal nicht mehr will.
23.5.12
Ich bin so froh, dass es besser geht und ich fange an zu hoffen, dass ich Recht hatte. Ich bin überzeugt, dass es die Nebenwirkungen von Risperdal sind, die auch die Schreibprobleme verursacht haben.
25.5.12
Ich muss das Risperdal ganz weg haben, dann erst kann es besser werden. Ich vermute, dass die Halbierung von Akineton das Risperdal noch zu wenig schwächt. Ich nehme zwei Tavor und hoffe, dass es dann geht. Ich bin zerrissen von Medikamenten, die nicht mehr passen. Man hätte niemals Risperdal auf 8 mg hochfahren dürfen.
26.5.
Es ist das Risperdal, das raus muss. Ich bin mir inzwischen ganz sicher. Lassen wir es doch heute Abend ganz weg. Ich will es hinter mich bringen. So ist kein Neuanfang möglich. Ich vermute, dass die Kombination mit Akineton nicht mehr passt. Es ist alles Scheiße.
27.5.
Ich bin fast frei von Risperdal, dann beginnt ein neues Leben, so Gott will. Ich werde immer sicherer, dass das Risperdal raus muss. Ich werde es schaffen. Ich fühle es.

28.5.12
Ich bin froh, dass ich nur noch 1mg Risperidon zu mir nehme und es verkrafte. Aber traurig bin ich schon, dass es so ausgeht. Es hat mir geholfen viele Jahre, hat mich zusammen gehalten, so dass ich nicht zwanghaft agieren musste. Ich möchte wissen, ob Langzeitbeobachtungen vorliegen.
30..5.12
Ich habe kein Risperdal mehr und muss nun ohne auskommen. Wenn ich daran denke, wie glücklich ich mal mit dem Medikament war, werde ich wehmütig. Aus und vorbei die guten Zeiten. Ich bin traurig und mache mir Sorgen, wie es weitergehen kann.
Aber es geht wirklich nicht, dass man in den Dopaminstoffwechsel eingreift. Ich werde immer schlechter beim praktischen Tun.
 
 
 
 
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