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  Rezension: Ich liebe dich nicht, aber ich möchte es mal können, Tessa Korber
 


Rezension: Tessa Korber: Ich liebe dich nicht, aber ich möchte es mal
können, Ullstein 2012
Tessa Korber, Schriftstellerin, Mutter eines behinderten Sohnes, geht in ihrem Buch sehr ehrlich mit sich selbst um, auch mit anderen Menschen. Eine Mutter, die alles richtig machen will, aber erlebt, dass sie keine Kraft hat, ihrem Mann zu helfen, mit seinen Verletzungen fertig zu werden. Er tut sich schwer zu akzeptieren, dass sein 2. Kind behindert ist. Sie analysiert die Fami-ienproblematik haarscharf, findet keine andere Lösung, als sich vom Vater ihrer beiden Kinder zu trennen. Sie redet aber nie in herabwürdigender Weise von ihrem Exmann. Korber will ein Buch über ihren autistischen Sohn schreiben. Es wurde ein Buch über das Konfliktpotential mit einem autistischen Kind, das in vielen sozialen Bezügen zu Tage tritt.
Sie beschreibt das Verhalten ihres Kindes treffend und anschaulich, so dass einem Insider klar ist, dass es sich bei Simon um ein Kind mit frühkindlichem
Autismus handelt. Unverständlich, dass die Diagnose erst gestellt wird, als
Simon sieben Jahre alt ist.
Dieses Buch ist keine leichte Kost. Aber das ist die Wahrheit: Der Autismus überfordert jede/ jeden, die/ der sich mit allerbester Motivation in den alltäglichen Kampf stürzt. Autismus ist keine interessante Variante psychia-trischer Störungen, nicht das Leben mit aufregenden Sonderbegabungen, wie es die Medien gern darstellen. Autismus kann Menschen zerstören, nicht nur die davon Betroffenen, sondern auch die, die vom Schicksal dazu ausersehen wurden, damit umzugehen.
Dietmar Zöller


 
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