dietmarzoeller
  Weihnachtsbrief 2012
 
Dietmar Zöller                                                                             28.11.2012

Mein Weihnachtsrundbrief für alle, die gern von mir einen Weihnachtsgruß bekommen

Die zukünftige Stadt, die ich suche


Meine Stadt liegt auf dem Berg.
 
Klarheit, Reinheit und Ruhe

in jedem Winkel.

Kinder aus aller Herren Länder

vertragen sich.

Den kleinen Autisten

nehmen sie in ihre Mitte,

und ein hübsches Mädchen
 
schließt das fremde Kind in seine Arme.

Meine Stadt kennt weder Missgunst, noch Eitelkeit.
 
Man vertraut einander und wartet geduldig
 
auf das, was kommen soll.

 

 
Am Montag hat mich Stefan, der Gemeindepfarrer; besucht.
Plötzlich sagte er in eine Gesprächspause hinein: „Dietmar, könntest Du nicht
etwas zur Jahreslosung schreiben?“ Ich begann darüber nachzudenken.
Ich kann bestätigen, was der Schreiber des Hebräerbriefes sagt:
 „Wir haben hier keine bleibende Stadt.“
Als Autist bekommt man auf Schritt und Tritt zu spüren, dass
man in dieses Leben nicht passt. Wenn nicht in dieses Leben, in welches Leben dann? Wie soll ich mir ein zukünftiges Leben vorstellen? Soll es in diesem Leben verwirklicht werden? Oder nach dem Tod? Aber über ein neues Leben nach dem Tod mag ich nicht so gern nachdenken.
Ich will nach dem Tod meine Ruhe haben und nicht Hosianna
singen müssen. Ich will auch nicht Menschen wiedertreffen, die mich zu
Lebzeiten verachtet haben. Nicht einmal meine Eltern will ich wiedersehen. Die
sollen, wenn sie gestorben sind, endlich Ruhe haben und sich nicht mehr um mich sorgen müssen.
Soll ich nicht doch lieber die zukünftige Stadt im Hier und Jetzt bauen helfen, eine Stadt, in der Menschen mit Autismus wohl gelitten sind? Ich tendiere augenblicklich dazu, an einer solchen Stadt mit bauen zu wollen. Aber lässt man mich überhaupt mit bauen? Noch bezweifeln zu viele Mitbürger, dass Menschen wie ich konstruktiv denken können.
Gedanken nach der Lektüre einer Fachzeitschrift, die vorgibt, wissenschaftlich zu arbeiten: Wissenschaftler nehmen sich selbst wichtiger als die Menschen, denen ihre Wissenschaft dienen sollte. Mit Fleiß wird Fällen nachgespürt, bei denen sich im Nachhinein herausgestellt hat, dass die Behinderten ihre Texte gar nicht selbstständig verfasst haben, sondern von ihren Helfern beeinflusst wurden. Gegen solche Arbeiten hätte ich gar nichts einzuwenden, wenn es nicht unter den kritischen Wissenschaftlern welche gäbe, die gar nicht oder zu oberflächlich lesen, was Autisten zu sagen haben.
Ich will wieder aktiver werden. Dazu muss ich beiseiteschieben, was mich im bald zu Ende gehenden Jahr gequält und verletzt hat. Ein Neuanfang ist nötig, auch wenn vieles dagegen zu sprechen scheint.
Ich wünsche Euch/Ihnen ein besinnliches Weihnachtsfest und
einen guten Start für 2013.
 
 
 

 

 
 
 
  Bisher waren schon 75894 Besucher (154041 Hits) hier!  
 
=> Willst du auch eine kostenlose Homepage? Dann klicke hier! <=