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  "Factual memory and episodic memory" Tito R. Mukhopadhyay
 

Warum die Erinnerung an Fakten sicherer ist als die Erinnerung an Erlebtes

Übersetzung des Kapitels „Why factual memory is safer than episodic memory“

Aus Tito R. Mukhopadhyay, How can I talk if my lips don’t move, S. 204 f

Übersetzung und Kommentar: Dietmar Zöller

 

 

Übersetzung:

Was ich erinnere, hängt in großem Maße davon ab, was ich mit den Sinnen aufgenommen habe.

Wenn ich ein Erlebnis  erzählen soll, mache ich das nur, wenn ich sicher bin, was ich erlebt habe, wenn es in meiner Erinnerung ohne zusätzliche Komponenten, die meinen Gefühlen entspringen oder meinen überbordenden Assoziationen, berichtet wird. Ich könnte es mir nie nachsehen, wenn ich ein Erlebnis mit übertriebener Rücksichtnahme, mit teilweisen Beschönigungen und nach bestimmten Auswahlkriterien oder mit einem Herunterspielen meiner Gedanken wiedergebe. Oft haben Mutter und ich dieselben Ereignisse erlebt und ich war überrascht, dass  Mutter etwas einen tollen Einkauf nannte, was für mich ein Mund voll bitterer Kürbis war, obwohl ich sicher sein konnte, dass ich keine Galle im Mund hatte.

Ich fühlte mich sicherer mit gespeicherten Antworten aus meinem Tatsachen-gedächtnis, weil sie auf Naturgesetzen basierten. Gespeicherte Tatsachen enthielten keine Gefühle. Wenn z. B. jemand von mir wissen will, was die Definition von Katastrophe ist, kann ich sagen: Katastrophe bedeutet den Verlust von Stabilität in einem System. Ich kann auch von der mathematischen Wahrscheinlichkeit bei genetischen Mutationen  sprechen, die mich und andere bestimmten, mit Autismus zu leben. Um eine solche Erinnerung zurückzuholen, brauche ich keine besonderen Farben, die eine zusätzliche Komponente beim Wahrnehmen darstellen. Meine Aussagen gehen direkt auf Gesetze der Wissenschaft zurück, die von Naturgesetzen abhängen. Ich fühle mich sicherer, eine solche Antwort zu produzieren, als wenn ich auf die Frage antworten soll: °Was hast du Dienstag gemacht, als du das Telefon hörtest?“.

Kommentar.

Ich verstand auf Anhieb, was Tito in diesem kurzen Kapitel zum Ausdruck bringen wollte, und dennoch hatte ich bei der Übersetzung des Textes Probleme.

Ich kann bestätigen, dass ich sehr aufpassen muss, wenn ich über etwas berichten soll, was ich erlebt habe. Meine Sinne haben in der Regel viel mehr wahrgenommen als meine Mutter wahrnimmt, wenn sie dabei ist. Wenn ich nun sachlich berichten soll, was geschah, muss ich zuerst das ausfiltern, was andere gar nicht wahrnehmen. In einen sachlichen Bericht gehören aber auch nicht die Gefühle, die ich gespeichert habe. Es ist mit einer großen Anstrengung verbunden, sachlich richtig und genau zu berichten,  was sich an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten

Zeit ereignet hat. Das nennt Tito episodic memory. Er ist sich bewusst, dass diese Erinnerungen u.U. nicht sicher sind. Es gibt aber auch noch die factual memory, wie Tito sie nennt, eine Erinnerung an wissenschaftlich nachweisbare Fakten. Wenn ich solche Fakten, Erkenntnisse und mathematische Formeln gelernt habe, kann ich mit sicheren Erinnerungen daran operieren.

 

 

 

 
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